Wer ist die Raaberbahn AG?

Die Raab-Oedenburg-Ebenfurter Eisenbahn AG (Kurzform: Raaberbahn AG) ist eine ungarisch-österreichische Eisenbahngesellschaft. Der ungarische Name der Gesellschaft lautet: Győr-Sopron-Ebenfurti Vasút Zrt. (kurz GYSEV Zrt.).

Der Sitz der Gesellschaft befindet sich in Sopron (Ungarn). In Österreich verfügt die Raaberbahn über zwei Zweigniederlassungen – eine in Wien und eine in Wulkaprodersdorf, wobei die Zweigniederlassung Wien als österreichischer Sitz der Gesellschaft gilt.

Wo liegt das Betriebsgebiet der Raaberbahn?

In der Region Westtransdanubien und Ostösterreich. In ihrem Eigentum befindet sich die Strecke Győr-Sopron-Ebenfurt. Darüber hinaus sorgt sie für die Betriebsführung auf der Strecke der Neusiedler Seebahn zwischen Fertőszentmiklós (Ungarn) und Neusiedl am See (Österreich). Ebenfalls in der Betriebsführung der Gesellschaft steht seit Dezember 2001 die Strecke Sopron-Szombathely sowie seit 2006 die Strecke Szombathely-Szentgotthárd. Die Gesellschaft erhielt 2011 die Beauftragung vom ungarischen Staat als Eigentümer, weitere 214 Eisenbahnkilometer in Ungarn in ihre Betriebsführung zu übernehmen. Diese Strecken sind: Rajka-Hegyeshalom-Csorna-Répcelak-Porpác, Porpác-Szombathely, Szombathely-Kőszeg, Szombathely-Zalaszentiván sowie der Abschnitt Körmend-Zalalövő, wo derzeit der Verkehr stillgelegt ist.

Auf all diesen Strecken sorgt die Raaberbahn für die Erbringung von gemeinwirtschaftlichen Personenverkehrsleistungen. So verkehren Reisezüge der Raaberbahn bis Budapest und Szentgotthárd. In Österreich bedient sich die Raaberbahn bei ihren bis Wien verkehrenden Zügen den Reisezuggarnituren der ÖBB. 



Wieviele Reisende befördert die Raaberbahn jährlich?

Im Geschäftsjahr 2013 beförderte die Raaberbahn auf ihren Strecken in Ungarn und Österreich insgesamt 7,5 Millionen Fahrgäste, wobei davon 5,9 Millionen Fahrgäste auf den ungarischen Streckenabschnitten unterwegs waren.

Beschäftigt sich die Raaberbahn auch mit Güterbeförderung?

Der Güterverkehrsbereich der Raaberbahn wurde in eine eigenständige Gesellschaft ausgegliedert, die ihren Betrieb Anfang 2011 aufnahm: Die GYSEV CARGO Zrt., die zu 100 % im Eigentum der GYSEV/Raaberbahn steht, ist in Ungarn, ihre 100 %-ige österreichische Tochtergesellschaft, die Raaberbahn Cargo GmbH, ist in Österreich tätig.

Die beiden Cargo-Gesellschaften (http://www.gysevcargo.hu) wirken bei der Beförderung von Transitsendungen in Ost-West Richtung sowie in Export- und Importverkehren zwischen Ungarn und Österreich mit. Unter ihren Partnern befinden sich die größten Eisenbahnspeditionen, wie z.B. Schenker, Express oder Kühne+Nagel, bzw. in der Region angesiedelte, bedeutende Firmen der produzierenden Industrie (z.B. Autofabriken, Chemiewerke, Forstbetriebe).

Wann und zu welchem Zweck wurde die Raaberbahn gegründet?

Die Gründung der Eisenbahngesellschaft wurde 1872 von Baron Viktor Erlanger initiiert, da zu Mitte des 19. Jahrhunderts keine direkte Eisenbahnverbindung zwischen den beiden Handelsstätten Győr und Sopron existierte. Der Bahnbau wurde zu jener Zeit noch ausschließlich von privater Hand ausgeführt und vom Staat durch besonders privilegierte Konzessionen abgesichert.

Mit dem Gesetzesartikel Nr. XXVII vom Jahr 1872 sanktionierte Kaiser Franz Josef die Konzession der Gesellschaft, die folgendermaßen beginnt: „Viktor Freiherr von Erlanger erhält das Recht zum Baue und Betriebe einer Locomotiv-Eisenbahn unter den weiter unten folgenden allgemeinen und besonderen Bedingungen, welche Eisenbahn aus dem Raaber Bahnhofe der priv. Staats- oder ungarischen Westbahn auszweigend, über Csorna, Kapuvár, Zinkendorf, Oedenburg gegen Ebenfurt zu, bis zur Landesgrenze sich erstreckt.” Die Konzession wurde ursprünglich auf 90 Jahre erteilt und seitdem mehrmals verlängert. Die letzte Verlängerung erfolgte 2007, somit ist die Konzession der Gesellschaft in Ungarn bis 31. Dezember 2032 und in Österreich bis 18. Dezember 2022 gültig.

Zum ersten Mal wird die Raab-Oedenburg-Ebenfurter Eisenbahn 1875 erwähnt, als sich in Budapest eine Aktiengesellschaft für diese Bahn konstituierte. Der erste Streckenabschnitt zwischen Győr und Sopron wurde am 2. Jänner 1876 feierlich eröffnet. Das zweite Teilstück zwischen Sopron und Ebenfurt wurde am 28. Oktober 1879 dem Verkehr übergeben. Die in Fertőszentmiklós an die Strecke der Raaberbahn anschließende Neusiedler Seebahn nahm ihren Betrieb am 19. Dezember 1897 auf. Das vorrangige Ziel der Eisenbahngesellschaft war die Beförderung von Getreide, in erster Linie nach Wien.

Wie entwickelte sich die Raaberbahn nach ihrer Gründung weiter?

Nach dem Ersten Weltkrieg ergab sich für die Gesellschaft durch die Friedensverträge von Saint Germain und Trianon bedingte neue Grenzziehung eine völlig neue Situation: Im Jahr 1923 trat der österreichische Staat aufgrund der Friedensverträge in die Konzession ein. Die Raaberbahn AG ist laut Kundmachung des österreichischen Staates im Jahre 1923 eine österreichische Privatbahn.

Durch die damalige Grenzziehung erstreckt sich das Betriebsgebiet der Raaberbahn seitdem auf die Staatsgebiete zweier Länder: Österreich und Ungarn. Der Firmensitz befindet sich seit Dezember 2004 in Sopron (zuvor: Budapest). In Wien und Wulkaprodersdorf befinden sich die Zweigniederlassungen der Gesellschaft in Österreich.

Die Gesellschaft führt aufgrund dieser territorialen Trennung auch heute noch zwei Firmenbezeichnungen: Raab-Oedenburg-Ebenfurter Eisenbahn AG (Raaberbahn) bzw. Győr-Sopron-Ebenfurti Vasút Zrt. (GYSEV).

Im Jahr 1949 wurde die Gesellschaft trotz ungarischer Regierungsverordnung nicht verstaatlicht, sie konnte ihre Rechtsform als Aktiengesellschaft weiterhin beibehalten.

Ab 1959 nahm der Güterverkehr Ungarn-Österreich wieder rasch zu. Der vor allem in den 1970er Jahren noch weiter steigende Transitverkehr über Sopron in Richtung Wien bedingte in den Jahren 1976 bis 1979 einen vollständigen Neubau des Schienenweges. Ab 1972 wurden die ersten Diesellokomotiven eingesetzt und 1979 die vollständige Umstellung von Dampf- auf Dieselbetrieb durchgeführt. Die Arbeiten zur Elektrifizierung der Strecke wurden 1985 begonnen. Am 31. Mai 1987 wurde der elektrische Betrieb zwischen Győr und Sopron und am 29. Mai 1988 zwischen Sopron und Ebenfurth aufgenommen. Der Oberbau der Strecke wurde den UIC-Normen entsprechend ausgeführt, wodurch auf der gesamten Strecke Fahrzeuge mit einem Achsdruck von 21 Tonnen zum Einsatz gelangen können.

Im Infrastrukturbereich expandiert die Gesellschaft bereits seit 2002: Damals übernahm sie die Betriebsführung der Strecke Sopron-Szombathely, wenige Jahre später folgte der Abschnitt Szombathely-Szentgotthárd. Zuletzt wurden Strecken zur Betriebsführung in Ungarn Ende 2011 übernommen.

Wer sind die Eigentümer der Raaberbahn?

Neben dem ungarischen Staat erwarb die Republik Österreich durch den Ausbau des Terminals in Sopron im Jahre 1994 einen Eigentumsanteil in Höhe von 33 Prozent. 2003 übernahm die Speditions Holding AG die Anteile der Hamburger Hafen und Logistik AG (6 %).

Die heutige Eigentümerstruktur entstand 2009 und sieht wie folgt aus:

Ungarn: 65,64%
Republik Österreich: 28,24%
Strabag SE: 6,12%